Historiker und Studierte sind sich einig, dass schon in der zweiten Hälfte des 13. Jhd. nahe der Grotte eine Burg zum militärischen Schutz und als Mitteilungspunkt existiert haben muß, von der noch Spuren zu sehen sind. Etwas darunter, in der Ortschaft Biacis sind heute noch Reste einer zweiten Burg sichtbar: der Burg Ahrenberg oder auch Burg von Antrum, die mehrfach zerstört und wieder aufgebaut wurde und nach Ansicht einiger Forscher langobardischen Ursprung hat. In ihrer Einfriedung befindet sich eine kleine, dem Apostel Jakob geweihte Kirche. In der Ritterburg wohnten die Herren von Antrum, die in einem Dokument von 1282 „Ministeriales ecclesiae aquilejensis“ genannt werden. Im 14. Jhd. umfaßte der Burgbesitz Antrum ein ausgedehntes Gebiet unter dem Patriarchen Bertrand und das Vogtland hatte das Privileg, demselben bei seinem Eintritt in Cividale als Zeichen der Verteidigung beizustehen. Es waren keine einfachen Jahre. Kämpfe und feindliches Eindringen führten zur Zerstörung der Festungen der Kirche. Im 15. Jhd. wurde das Patriarchat von der Serenissima (Beiname Venedigs) besiegt und kam somit wieder an die Herrschaft Friauls zurück. Unter der venezianischen Herrschaft verliert das „Vaterland Friaul“ seine wirtschaftliche und politische Bedeutung, wobei die Festungen in Grenznähe weiterhin wichtig blieben.

Die interessanteste Charakteristik und wichtig für das Dorf Antro und der Geschichte Slawiens ist das aus zwölf Richtern bestehende Konzil, die von den Dekanen der Vogtherrschaft gewählt wurden und den Namen „Banca delli 12 di Antro“ erhielt. Die Richter blieben jeweils ein Jahr in ihrem Amt und vereinigten sich stets um eine Steinplatte oder eine Bank, die heute noch existieren: eine in Biacis, die andere in Tarcetta. Hier wurde das Recht in erster Instanz gehandhabt: … in Anwesenheit des Landvogts richteten sie in gesitteten, kriminellen und sehr kriminellen…“ und sie konnten auch die Todesstrafe verhängen (Foto 26). Außerdem gab es eine Bürgerversammlung, wobei im Bedarfsfall die Dekane der Umgebung Wiesen und Wälder verwalteten. Seit 1797, dem Fall der Venezianischen Republik hatten die Burgvögte die Befugnis Rechts- und Wirtschaftsangelegenheiten betreffend der Einwohner der Natisonetäler zu beschleunigen. Einige Familien in diesem Gebiet tragen heute noch den Nachnamen Banchig, der an den alten Brauch der Gerichtsbarkeit erinnert.

Im Jahre 1420 bestand in Friaul noch das Lehnswesen. Alle diese Gründungen, Gesetze und Sitten wurden von der Republik S. Marco aufgenommen und bis in die Neuzeit angewandt. Im Hinblick auf die andauernden Kämpfe zwischen den Grenzvölkern steckte eine österreichisch-venezianische Kommission in den Jahren 1751-55 die Grenzen mit Säulen, Hecken, Mauern, Kreuzen und Gräben ab. Mit dem Vertrag von Campoformido zwischen Napoleon und dem österreichischen Kaiser (17. Oktober 1797) kehrten die Habsburger nach Friaul zurück. Nach dem dritten Unabhängigkeitskrieg (1866) kam dieses Gebiet zu Italien.

Foto N. 21 - Altare barocco scolpito in legno policromo e dorato. - Baročni zlati oltar. - Barocker Holzaltar, mehrfarbig und vergoldet. - Baroque altar carved in polychrome wood and gilded.

Auch heute noch spricht der Großteil des Volkes in den Natisonetälern fließend einen slowenischen Dialekt.

VOLKSGLAUBE UND LEGENDEN

Die besonderen Eigenheiten dieser Gegend gaben im Lauf der Jahrhunderte den Ursprung für Legenden, Märchen und den Volksglauben, wie z. B. Krivapete: Frauen, die in den wasserführenden Grotten lebten, seien besonders niederträchtig und hätten die Füße nach hinten gedreht.